Gut zu wissen

Irgendwie fühle ich mich unter Druck gesetzt…von Dir.

…kennen Sie das, Sie senden eine „Ich-Botschaft“, z.B. „Ich fühle mich unter Druck gesetzt…“ im Rahmen eines Bedürfniskonfliktes oder eines Verkaufsgespräches oderoder und trotzdem beginnt Ihr Gesprächspartner, sich daraufhin zu rechtfertigen?

Wie kann das sein, eigentlich sollte das bei einer emotionalen Ich-Botschaft nicht der Fall sein?!

Schauen wir uns an, was passiert ist. Die o.g. Ich-Botschaft ist der Form nach so wie es sein sollte. Bei näherem Betrachten fällt Ihr Blick ggf. auf die Ihrerseits verwendete (Schein-)Emotion, in diesem Falle „unter Druck gesetzt fühlen“. Sie denken nach…Moment mal, ist „unter Druck gesetzt fühlen“ überhaupt eine echte Emotion? Genau – das ist der Knackpunkt.

Wenn denn eine Emotionale Botschaft konstruktiv wirken soll, also u.a. wertungsfrei & annehmbar sein soll, gilt es, tatsächlich emotionsbeschreibene Begriffe zu verwenden.“Unter Druck gesetzt fühlen“ ist kein solcher sondern eine Interpretation.

Was unterscheidet Emotionen von Interpretation? Interpretation sind Begriffe, die einen Zustand oder Fähigkeit des anderen = Kommunikationspartners beschreiben oder (im kommunikativen Sinne noch „schlimmer“) diese bewerten. In diesem Falle = „unter Druck gesetzt fühlen“ könnte das z.B. das Durchsetzungsvermögen Ihres Gesprächspartners sein. Sie sprechen hier  über ein von ihnen wahrgenommenes und bewertetes Verhalten des ANDEREN, NICHT über die Emotion, die das bei IHNEN ausgelöst hat. Diese könnte, in diesem Beispiel „unter Druck“ (ohne!! „gesetzt“), „furchtsam“ oder „schockiert“ lauten. Je nachdem, wie IHNEN halt wirklich ist, in dem Falle.

Was hilft dabei, Emotionen von Interpretationen zu unterscheiden. Es sind dies 3 Aspekte:

  1. Einer Emotion können Sie in den meisten Fällen „Ich bin“ voranstellen und es ergibt sich ein sinnvoller Satz, z.B. „Ich bin schockiert“. Bei Interpretation ist das entstehende Satzgebilde irgendwie sperrig, klingt und liest sich schräg.
  2. Für Emotionen braucht es zwar eine Ursache und einen Anlass, die Emotion entwickelt sich jedoch aus Ihnen heraus, nur mittelbar mit dem Verhalten des anderen zusammenhängend.
  3. Interpretationen hingegen können Sie gut daran erkennen, das sie diesen „von Dir“ im Satz nachstellen können und so besonders deutlich wird, das Sie die Verantwortung für Ihren schein-emotionalen Zustand beim anderen sehen.

Einige Beispiele helfen dies ggf. zu verdeutlichen, Sie finden jeweils links die echte Emotion und rechts eine mögliche korrespondierende Schein-Emotion.

Gelähmt / Unter Druck gesetzt

Allein / Ignoriert

Ängstlich / Bedroht

Unfrei / Gezwungen

Überflüssig / nicht beachtet

Ihnen fällt ggf. auf, das diese allesamt Begriffe sind, die eher negative Emotionen beschreiben. Für unsere positiven Emotionen übernehmen wir gern selbst die Verantwortung und brauchen keinen „Täter“. Bei negativen Emotionen fällt das schon schwerer, hier suchen wir den Verursacher gern woanders und entledigen uns auf diesem Wege der Verantwortung für unseren echten emotionalen Zustand.

Einher geht dies mit entstehendem Rechtsfertigungsdruck beim anderen, der durchaus eine Unterstellung wahrnehmen kann und sich auf diesem Wege genötigt sieht, die Dinge richtig zu stellen. Zu erklären, wie es eigentlich gemeint war etc.. Schlussendlich streiten sich dann beide Beteiligten, wie den nun was gemeint sei oder war, es geht darum, recht zu haben und weniger darum, im Kontakt miteinander ein Klärung herbeizuführen.

Zusammengefasst: Wenn Sie wollen, das Ihre Ich-Botschaften annehmbar sind und zur Klärung beitragen verwenden Sie bevorzugt echte emotionsbeschreibende Begriffe, im besten Falle Primäremotionen-beschreibende Begriffe. Voraussetzung ist natürlich, das Sie sich im ersten Schritt dieser selbst gewahr sind oder werden. Wie das geht? Nehmen Sie zur Klärung dieser oder auch anderer Fragen gern Kontakt zu mir auf.

Ihr

Hardy Scholtyssek

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