Gut zu wissen

Gedanken zu: Be-Werten ist Inn!

Passend zum Thema habe ich vor einiger Zeit eine Studie im Internet entdeckt. Ein Germanistik Professor, Prof. Dr. Wolfgang Steinig, hat vor mehr als 40 Jahren – noch als Student – einen 2 minütigen Film mit einer Super-8-Kamera für einen Unterrichtsversuch gedreht. Dreimal hat Steinig diesen Film Viertklässlern zeigen lassen: 1972, 2002 und 2012. Jedes Mal hatten die Schüler danach eine Schulstunde Zeit, darüber zu schreiben, ohne Vorgaben. Ziel war es, Unterschiede herauszuarbeiten, neben der Rechtschreibung (die sich im Übrigen in 2012 verschlechtert hat) u.a. in der Textgestaltung:

Was waren Ergebnisse?

Im Jahre 1972 haben die Kinder `nur` nacherzählt, 2002 genauso. Dann, in 2012 wurden die Texte kreativer – die Schüler kommentierten den Film häufig, wie zum Beispiel :  „ich fant den Film gemein“, oder „das Mädchen ist auch selber schult daran das die anderen Kinder die Puppe wekgenommen haben“ oder „der Film war Okey :)“… . Sie hatten ihre persönliche Meinung, bewerteten und ließen diese Bewertung in ihre Texte als `neue Qualität` einfließen.

Fand ich spannend! Ist es wirklich so, dass schon bei Grundschulkindern dieser Trend sichtbar wird, dass heute kaum mehr angeschaut wird ohne zu bewerten?

Wie ist das eigentlich bei mir?

Daraufhin habe ich ein Experiment gestartet – einen ganzen Tag lang darauf geachtet, was ich wann und wie werte! Auch einen Film geschaut, „American Hustle“ wars…?. Das Ergebnis war für mich verblüffend, unglaublich. Ich bin einfach ständig am Werten, `negativ`, `positiv`, selten `neutral`. Ist das bei Ihnen auch so? Ich habe zu allem meine Meinung – zu Menschen, ihrem Verhalten, ihrem Aussehen, was sie tun, was sie vielleicht auch nicht tun… , zu Musik, Kunst, zu Bäumen, Sträucher, zu Tieren … ganz automatisch, blitzschnell.

Wenn ich ständig eine Meinung zu etwas habe, ist das gut, ist das schlecht?  (jetzt werte ich gleich wieder ?).

Dass das schnelle Urteilen irgendwann einmal überlebenswichtig war, in der Steinzeit , um zum Beispiel Gefahren schnell erkennen zu können, ist mir bewusst, nur ist das heute immer noch so?

1972 – 2002 …die Studie oben – die Kinder, die noch artig nacherzählt haben… wie war die Zeit damals?

2012 – 2017 …wie werden die Kinder heute groß? Wie leben wir es ihnen vor?

Das Informations-Angebot ist riesig, die Zeit umso knapper. Wir sind am chatten, am surfen, am Mails schreiben und beantworten oder einfach auch `nicht mehr beantworten`… ,  jeder kennt es – ein Überangebot an Informationen und Kontakten… . Ist es da nicht auch überlebenswichtig, schnell, instinktiv auszusieben, was es Wert ist weiterzuverfolgen und was nicht? Auch für`s eigene EGO ist das wichtig! Sonst dreht man ja irgendwann durch. Vermutlich!

2020 – 2025 …wie wird sich diese Entwicklung fortsetzen und wozu wird sie führen?

Cut!

Eine Meinung haben, ja…

und gleichzeitig…

laufen wir m.E. Gefahr, nicht mehr differenziert hinzuschauen, oder gesehen zu werden; nicht richtig zuzuhören oder gehört zu werden,…uns an Oberflächlichkeiten aufzuhalten, um schnell entscheiden/bewerten zu können, dem anderen nicht mehr vorurteilsfrei zu begegnen, nicht mehr offen zu sein und nicht mehr Mitgefühl entwickeln zu können, da dafür keine Zeit mehr ist…

Wie damit umgehen?

Gute Nachricht: Ich habe für mich Wege gefunden, die ich Ihnen im Rahmen eines nächsten Beitrags hier vorstellen werde. Bis dahin mag ich es bei einem Zitat von Jiddu Krishnamurti belassen:

„Die höchste
Form menschlicher Intelligenz
ist die Fähigkeit, zu beobachten, ohne zu bewerten.“

In diesem Sinne, herzliche Grüße

Petra Fehling

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