„Der stärkste Muskel ist…der Kopf“ (mit Selbsttest)

  • On 19. Oktober 2018

…antwortete Wolfgang Güllich auf die Frage einer Reporterin, was denn sein stärkster Muskel sei.

 

Wie kam es dazu?

Wolfgang Güllich (*) galt als einer der stärksten Sportkletterer in den 90er Jahren. Legendär wurde er durch zweierlei; erstens durch seine erste Begehung von „Action Directe“ in der Fränkischen Schweiz (der erste Sportkletterweg im damals schwierigsten Grad 9a – heute geht es bis 9c, was, unter uns, einer überhängenden Raufasertapete entspricht…😊) und zum zweiten durch die große Anzahl an Klimmzügen, die er an einem kleinen Finger machte. 11 Stück waren es der Legende nach. An einem kleinen Finger eines Armes, wohlgemerkt.

Das veranlasste dann auch die eingangs erwähnte Reporterin zur o.g. Frage, in der Erwartung, Wolfgang würde auf den kleinen Finger Bezug nehmen. Tat er auch, allerdings anders als erwartet. Er antwortete: „Der stärkste Muskel ist der Kopf“.

Die Antwort überraschte mich seinerzeit. Ich, so um die 20, war (und bin) selbst ein ambitionierter Kletterer. Wolfgang gab mir damals Orientierung und Motivation, seine enorme Kraft und Beweglichkeit am Fels bewunderte ich.

 

Ist der Kopf wirklich der stärkste Muskel? Lassen Sie mich auf diese Frage anhand folgender Abbildung eingehen:

 

Der Kreislauf aus Wahrnehmung, Haltung und Verhalten

 

Wahrnehmung

Was ist eigentlich Wahrnehmung? Mein lieber Kollege Hans-Christian sagt dazu gern: „Wahrnehmung ist etwas, worüber zwei Menschen in einem Raum nicht streiten können“. Das klappt allerdings nur, wenn es sich wirklich um eine Wahr-Nehmung und keine Falsch-Nehmung (z.B. Interpretation) handelt.

An einem ganz kurzen Beispiel = Selbsttest mag ich die Begriffe veranschaulichen: (jedes Beispiel hinkt, so auch dieses, klaro)

Bitte schauen Sie sich diesen 😊 an. Was ist an diesem Smiley für Sie wahrnehmbar?

Möglicherweise antworten Sie: „Der ist fröhlich“ oder „Der ist freundlich“. Beides ist durch die Gestaltung des Smiley durchaus denkbar, beides wären jedoch keine Wahrnehmungen sondern bereits Interpretationen. Denken Sie nur an einen anderen Kulturkreis, z.B. die Asiaten. Für diese schaut fröhlich oder freundlich ganz anders aus.

Eine echte Wahrnehmung und damit etwas, worüber sich zwei Menschen in einem Raum nicht streiten können, wäre in diesem Falle z.B.:

Ich sehe einen geschlossenen Mund, die Mundwinkel sind leicht erhöht; Die Wangen scheinen mir rötlich; die Augen sehe ich ähnlich einem „U“ allerdings mit der Öffnung nach unten. Haare sehe ich keine, Ohren auch nicht.

 

Warum ist „fröhlich“ oder „freundlich“ keine Wahrnehmung (mehr)? Wahrnehmung ist das Aufnehmen von Sinneseindrücken und deren Weiterleitung im menschlichen Körper ohne weitere Verarbeitung. Alles, was darüber hinaus geht und diesen Impuls intern verändert, nennen wir Interpretation.

Daher auch Wahr-NEHMUNG!!

Die Interpretation ist aus unserer Sicht das, was man ggf. „Falsch-nehmung“ oder auch „Falsch-GEBUNG“ nennen könnte. Diese entsteht nicht durch den äusseren Sinnesreiz allein („NEHMUNG“) sondern u.a. durch Abgleich mit unserem Erfahrungsspektrum. So dass im Ergebnis eine Bedeutung verGEBEN wird. Die deutsche Sprache ist an dieser Stelle erstaunlich genau.

Sofern sich eine Wahrnehmung regelmäßig wiederholt, wird diese nicht nur interpretiert, sondern zunehmend entsteht eine…

 

Haltung

Was ist eigentlich Haltung? Haltung ist mehr als Meinung.

Haltung, oder auch Einstellung, ist das Bewerten eines Sinneseindruckes, der durch (wiederholte) Wahrnehmung der Umwelt hervorgerufen wurde. Haltung ist Reduktion und gibt uns Halt in der komplexen Welt, die uns umgibt. Sie erlaubt uns, Objekte, Menschen und Situationen schnell einzuschätzen und durch Identifikation und Distanzierung zu Individuen soziale Anpassung oder Abgrenzung zu erreichen.

Haltungen manifestieren sich z.B. regelmäßig in klarer Sprache, in Sätzen, die auch als Inschrift auf etwas stehen könnten. Reduziert auf das Wesentliche, zum Beispiel:

  • Man muss sich unterordnen
  • Wir sind die Guten
  • Eine Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage
  • Mit mir können sie es ja machen
  • Man muss essen, was auf den Tisch kommt
  • Platzhalter für die vielen weiteren

Sie werden von der entsprechenden Person als gegeben und allgemeingültig angenommen und nicht weiter hinterfragt. Daraus folgt, das Haltungen sehr stark verhaltensausrichtend wirken. Das heißt: Ver-HALTEN folgt der Haltung.

 

Verhalten

Was ist eigentlich Verhalten? Dorschs Psychologisches Wörterbuch nennt Verhalten: „jede physische Aktivität eines lebenden Organismus, die (im Gegensatz zu psychischen Abläufen) grundsätzlich von anderen Beobachtern (d.h. ‚objektiv‘) feststellbar ist“. Objektiv feststellbar wäre in diesem Falle…genau…WAHR-nehmbar.

Hier schließt sich der Kreis. Aus Wahrnehmung wird Haltung, aus dieser folgt Verhalten, welches dann wiederrum wahrnehmbar ist.

Noch ein praxisnahes Beispiel gefällig? Gern…😊.

Herr Schmidt, ein Verkäufer im Außendienst besucht mehrfach in Akquiseabsicht eine bestimmte Interessentin, Frau Herzlich. Dort erlebt er (=Wahrnehmung), warum auch immer, wiederholt folgendes: Er präsentiert einen, aus seiner Sicht, nutzenbringenden Aspekt seiner Lösung, worauf Frau Herzlich in jedem Fall eine Gegenposition vertritt. Das führt dazu, dass Herr Schmidt seine Präsentation zunehmend mit Konjunktiven anreichert, worauf Frau Herzlich mit weiteren Gegenpositionen reagiert. Nach dem dritten Gespräch, dass nach diesem Muster ablief, wird Herr Schmidt von einer Kollegin gefragt, welche Fortschritte er bei Frau Herzlich macht. Darauf antwortet er (als Ausdruck seiner entstandenen Haltung): „Keine, die will sowieso nicht kaufen!“.

Beim anstehenden vierten Gespräch verhält er sich seiner Haltung entsprechend, erzeugt weder Dialog noch geht er konstruktiv mit den Gegenpositionen von Frau Herzlich um. Er präsentiert weder Nutzen noch achtet er auf körpersprachlich Zeichen von Frau Herzlich. Da ihm auf diesem Wege die Kaufsignale, die Frau Herzlich durchaus sendete, entgingen, fühlt er sich in seiner Haltung bestätigt und beendet das Gespräch ohne den durchaus möglichen Verkaufsabschluss (= Verhalten). Seiner Kollegin berichtet Herr Schmidt beim nächsten Treffen, dass er zu „so einer“ wie Frau Herzlich nicht mehr fährt. Das hat eh keinen Sinn…

Ein schönes Negativ-Beispiel das belegt, was Wolfgang Güllich mit seinem eingangs zitierten Satz meinte. Der „Kopf“ (Bildhaft die Summe aus Haltung und Wahrnehmung) wird zum Verhinderer des Erfolges. Das funktioniert natürlich auch andersrum, wie anhand folgender Szenarien dargestellt sei:

  • Als Kletterer kann ich meine Wahrnehmung darauf richten, wie weit der nächste Griff weg ist. Oder auch darauf, wie mir die Kräfte schwinden, während der Weg zum Ziel noch weit ist. Entsprechend…klettere ich nur mit halber Kraft (halbherzig) weiter und erreiche den Griff, der weit weg erschien, folgerichtig nicht.
  • Die Alternative: Ich richte meine Wahrnehmung auf das Erreichen des Gipfels. Oder, noch stärker, auf die Emotion, die ich empfinde werden, wenn ich den Gipfel erreicht habe. Oder auch auf die vielen schweren Züge, die ich schon bewältigt habe. Folgerichtig werde ich entschlossen den nächsten Griff ansteuern, und den nächsten und den nächsten. Und…ein bisschen wahrscheinlicher…mein Ziel = den Gipfel erreichen.

Mit anderen Worten: „Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten“ (Henry Ford). Sowohl im sportlichen als auch im Business-Kontext.

Klar, es fällt manchmal schwer und kostet Kraft, an den Erfolg zu glauben. Daher empfehlen wir Ihnen, Ihre Wahrnehmung bewusst zu steuern und wenn möglich, Ihre Haltung auf diesem Wege bewusst zu wählen. Der Erfolg wird Ihnen recht geben.

Wie das geht und was dadurch für Sie möglich werden kann, erörtern wir gern im Rahmen eines persönlichen Coachings mit Ihnen. Das zeitliche und finanzielle Investment in unsere Dienstleistung wird durch die regelmäßig erzielten Ergebnisse mehr als überkompensiert.

In diesem Sinne und auch sonst freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme

Hardy Scholtyssek

 

 

PS:

*Wolfgang Güllich starb 1992 bei einem Autounfall. Ein Jahr nachdem er mit dem Durchstieg von „Action directe“ Geschichte geschrieben hatte.

PPS:

Von Wolfgang gibt es leider kein Video, das ihn beim Durchstieg von „Action directe“ zeigt. Sofern Sie sich ein wirklich schönes Klettervideo von diesem Weg anschauen wollen, sei Ihnen das von Stephan Vogt aus Berlin sehr empfohlen: https://www.youtube.com/watch?v=g_8090__Blg

 

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